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Weiden,
HSch
17. Juli 2011
110
Jahre Nebenbahn Pnovany - Bezdruzice
Wir waren vom Modelleisenbahnclub Weiden schon einige Male auf Einladung
unserer Tachauer Hobby-Kollegen zu einer Exkursion auf dieser Nebenbahn
und immer gab es wieder ein neues Highlight.
Der Abzweigbahnhof Pnovany liegt an der elektrifizierten Hauptbahnlinie
von Pilsen nach Marienbad, mitten im Wald. Kurz nach dem Bahnhof
beginnt auf der eingleisigen Nebenstrecke eine kleine Steigung bei
der die Dampflok der Reihe 310 mit ihren 3 Treibachsen den voll
besetzten Sonderzug zum 90 jährigen Streckenjubiläum 1991, nur mühsam
gerade noch hinauf ziehen konnte. Unweit danach hatte man beim Überfahren
der hoch gelegenen Brücke einen wunderschönen Ausblick auf einen
tief darunter liegenden Stausee und die waldreiche Gegend. An der
Endstation Bezdruzice angekommen wurden wir damals mit unserem Tachauer
Patenverein und den Pilsener Kollegen von dem dortigen Bahnbeamten
Herrn Pisek in sein Haus am Ortsrand eingeladen, in dem er ein kleines
Eisenbahnmuseum mit einer schönen Modellbahnanlage eigerichtet hat.
Bei herrlichem Wetter wurden wir in seinem Garten mit einer köstlichen
Brotzeit und tschechischem Bier bewirtet und nebenan drehte eine
Schucko ähnliche „Disney-Land-Hochbahn“ ihre Runden zwischen den
Blumenbeeten. Zum 100 jährigen Jubiläum fuhren wir wieder mit einem
Dampf-Sonderzug mit der Baureihe 354 - einer 1C2 Tenderlok - nach
Bezdruzice, wo unterwegs ein Zwischenhalt mit Wasserfassen eingelegt
wurde. Am Endbahnhof angelangt warteten Draisinenfahrten und eine
Fahrzeugschau auf uns. Darunter war auch ein grüner zweiachsiger
Triebwagen-Oldtimer M 120, mit mittig aufgesetztem Führerstandstürmchen,
mit dem wir zu einer Stippvisite nach Konstantinovy-Lazne eingeladen
wurden. Damals waren die Bahnhofsgebäude entlang der Strecke noch
in einem erbarmens-würdigen Zustand und man hatte den Eindruck nicht
auf der Schiene - sondern durch eine Wiese zu torkeln. Trotzdem
war es für uns ein bleibendes Erlebnis.
5 Jahre später zum 105jährigen befuhren wir die Strecke nochmals
mit einem 3 teiligen roten Triebwagen M 131 über Konstantins-Bad
nach Bezdruzice, wo wieder etliche Attraktionen auf uns Fahrteilnehmer
warteten.
Was jedoch heuer zum 110 jährigen Jubiläum geboten wurde - war noch
bewundernswerter. Alle Bahnhöfe entlang der Strecke waren herausgeputzt
und mit dem typisch gelb / weißen Farbanstrich neu angemalt. Am
Samstag und Sonntag wurde den ganzen Tag gefeiert. Überall spielten
Musikanten auf. Die ganze Bevölkerung und die Vereine, aber auch
die Eisenbahner, Polizei und das Militär beteiligten sich mit historischen
Uniformen, Gewändern, Trachten und Gerätschaften. Markt- und Verpflegungsstände
waren aufgebaut und ein Biergarten am Bahnhof sorgte für das leibliche
Wohl. Ein Skoda-Oldtimer-Bus und ein Omnibus mit zweiachsigem Anhänger
fuhren alle 2 Stunden nach Tepl und luden zu einer dortigen Klosterbesichtigung
ein. Von der tschechischen Staatsbahn CD wurden stündlich Sonderzugfahrten
auf der Jubiläumsstrecke durchgeführt und am kleinen Endbahnhof
Bezdruzice war eine Fahrzeugschau mit 8 Triebfahrzeugen und mehreren
Waggons fotogen aufgebaut. Der Eisenbahnhistoriker Herr Simbartl
hat in einem Ausstellungswaggon einen Teil seiner Bahnraritäten
aus der ehemaligen K & K-, der Deutschen Reichsbahn- und CSD-Zeit
gezeigt und die Eisenbahnfreunde aus Pilsen hatten 3 Modellbahnanlagen
in einem weiteren Waggon vorgeführt. In einem restaurierten Speisewagen
wurden Getränke und Souvenirs angeboten und Herr Pinc hatte mit
einer seiner Handhebel-Draisinen Wettfahrten veranstaltet. Der örtliche
Bahnbeamte Herr Pisek zeigte die erst kürzlich fahrfähig instandgesetzte
und neu gestrichene blaue Diesel-Kleinlokomotive T 211 den Besuchern
und führte sie auch mehrmals vor. Am Bahnhofsvorplatz war am Samstag
ein MINI COOPER-Kleinwagentreffen geboten, zu dem Besucher bis aus
Österreich, Deutschland und der Schweiz angereist kamen. Auch mit
unseren Freunden aus Pilsen und Tachau - Miroslav Pansky und Vladimir
Svigler- und mit ihren Familien habe ich mich dort getroffen. Schade,
dass außer mir keiner unserer Vereinskollegen Zeit oder Lust hatte,
an dieser Jubiläumsfeierlichkeit teilzunehmen.
Das ganze Fest hat außer den Fahrten und der persönlichen Verpflegung
nichts gekostet – sogar ein mehrfarbig bebilderter Flyer wurde kostenlos
verteilt. Da könnte sich manch anderer Veranstalter eine gehörige
Scheibe abschneiden.
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