Bahnpostwagen

Bahnpostwagen als begehbare Vitrine
Postwagen als "begehbare Vitrine"

Weiden, den 04.03.2006                                        Foto und Text von Horst Scheiner
Das Eisenbahnmuseum Weiden hat von der in Weiden ansässigen Firma PFA, einen ehemaligen 26,4 m langen
Bahnpostwagen erworben, der nun mit zwei weiteren Wagen im Museumsfreigelände aufgestellt ist und in eine "begehbare Vitrine" umgebaut wurde.
Zu einer kleinen Feierstunde hatte am 03.Juli 2005 der Leiter des Eisenbahnmuseums Horst Scheiner - OB Hans Schröpf, BDEF Vorstand Hohmann, den Niederlassungsleiter der Post Philatelie Stephan Friedl und Vertreter von Behörden, Parteien, der Bundespolizei und der Weidener Kulturszene eingeladen, um das neue Fahrzeug der Öffentlichkeit zu übergeben.


Der uns am 27.12.2004 übereignete Postwagen mit der BahnNr. 51 80 00-95 076-7 Post mrz, in den Farben elfenbein-türkis hatte noch die ursprüngliche Originalausstattung, wie er vor Jahren, als die Briefe und Pakete der Post noch mit der Bahn transportiert wurden, eingerichtet war.
Für die künftige Nutzung als erweiterte Museumsausstellungsfläche wurde ein Teil der ursprünglichen Einrichtung entfernt und dafür eine 6 qm große Nachbildung des ehemaligen Ausbesserungswerkes Weiden (Maßstab 1:220), der mit einer Schulklasse im Maßstab 1:160 nachgebaute Weidener Bahnhof (4,50 x 1,20 m) und Länderbahn-Dioramen der bayrischen, preußischen und württembergischen Bahnepoche im Maßstab 1:87, sowie eine Abteilung "Bahn-Fernmeldetechnik" eingebaut, die bisher wegen Platzmangel im Museumsgebäude nicht gezeigt werden konnten.

Nachdem es sich bei unserer Neuanschaffung um einen postwagen handelt, und die Post AG Niederlassung hier in Weiden ihre “Briefmarken-Versandzentrale” hat, wurde der Post Philatellie Platz geboten, ihre wunderschönen limietierten Postwagen- und Postautomodelle in Vitrinen auszustellen und aktuelles Prospektmaterial und Beststellunterlagen aufzulegen

Ab 03.Juli 2005 ist das Freigelände jeweils in den Sommermonaten von April bis Ende Oktober bei Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich und die Besucher können dort noch weitere Original-Exponate und Weidener Bahnrelikte, im neu eingerichteten Postwagen bewundern. 2006 wurde noch in einem bundesweiten Projekt Schule@Museum das einstige Weidener Betriebswerk (Bw) im Maßstab 1:160 gebaut, und zwar im Zustand von 1972, als dort noch Dampflokomotiven der BR 44, BR 50 und die letzten BR 64 beheimatet waren.

Technische Daten:

Hersteller Hansa Waggonbau
Baujahr ab 1980
mit der Post-Nr. 73 076
eingestellt unter Bahn-Nr. 51 80 00-95 076-7
Länge über Puffer 26,4 m
Drehgestell-Zapfenabstand 19,0 m
Großraumwagen mit 3 Abteilungen
Innenfläche 76 m²
Eigengewicht 40 t
Zuladung 29 t

Hinweis zur Gattungsbezeichnung:

POST war der ehemalige Eigentümer
m        Länge des Wagens größer als 26 m
r          Hochleistungsbremse mit automatischer Lastabbremsung
z         zentrale Energieversorgung über die elektrische Hauptheizleitung (Zugsammelschiene)

Diese ehemaligen Bahnpostwagen waren ursprünglich in Ganzzügen auf Fernverkehrsverbindungen täglich unterwegs. Solche Züge fuhren nachts zum Beispiel von Hamburg nach München und bestanden meist aus 10 bis 12 dieser Wagen. Der Wagen konnte aber auch in nationale und internationale Züge bis 200 km/h Geschwindigkeit eingestellt werden
In ihm wurden nicht nur Geld, Briefe, Päckchen und Pakete im "Nachtsprung" befördert, sondern auch die in größeren Knotenbahnhöfen sackweise zugeladenen unsortierten Sendungen, auf die verschiedenen Postleitzahlbereiche sortiert und verteilt.

Bis zu 8 Postbedienstete verrichteten darin ihre nächtliche Sortierarbeit und das Be- und Entladen der Postsäcke und Paketpaletten an den entsprechenden Zugaufenthalten.

Diese Wagen sind weitgehend überfallsicher und als "Hochsicherheitstrakt" ausgelegt, wobei alle Türen und Tore ausschließlich von innen verriegelbar sind. Zusätzliche Außenverriegelung und Plombiermöglichkeit machte ihn "zolltüchtig" und somit auch im internationalen Bahnverkehr einsatzfähig.

Ausgestattet ist er mit stirnseitigen druckdichten Wagenübergängen, einer Ölzentralfeuerung mit Fußbodenheizung, Umluftklimaanlage, Entstaubungseinrichtung, eigener 24V Stromversorgung, einer Lautsprecheranlage, Kleiderschrank, Waschbecken und Toilette.

Am obigen Foto zu sehen - im ganz rechten Teil befinden sich die beidseitigen Einstiegstüren, die sanitären Anlagen und ein zentraler Schalt- und Geräteschrank, und im Dachraum die Ölheizung.

Links daneben der Briefraum mit 226 Briefsortierfächern und 2 Ausziehtischen,

im mittleren Teil der Aussackraum mit 26 Grobverteilfächern, Päckchen-Sortiertischen, 5 Beutelspannvorrichtungen für 30 Postsäcke und 2 große 24 V Batterien,

und links der Paketraum mit flexibel einfügbaren Trennwänden für die Verteilbereiche und Haltevorrichtungen gegen Verrutschen der Pakete.

Unter dem Wagenboden 2 Drehgestelle mit Stromgeneratoren, die Bremsanlage, ein 2000 L Heizöltank, ein Wassertank und 4 Batteriekästen.

Modelle dieses Bahnpostwagens gibt bzw. gab es von den Modellbahnfirmen Arnold (N), Fleischmann (H0 + N), Märklin (H0), Roco (HO) und SachsenModell (H0), in den Farben grün, popp/grün, elfenbein/türkis, kieselgrau/gelb und hellgrau/grau.

DBP-Bahnpostwagen 51 80 00 - 95 076 - 7 Post mrz